Montag, 18. April 2016

Conscious consumption [organic, fair, ...]


Fair Fashion beschäftigt mich als Thema schon sehr lange, bringt mich aber auch immer in ein persönliches Dilemma. Vor 2-3 Jahren bin ich auf die Thematik aufmerksam geworden, durch Nunu und ihr Buch, Rana Plaza und die Fair Fashion Revolution und zuletzt auch durch Madeleine und ihre Umstellung auf Fair Fashion Mode.
Dabei geht es aber für mich um mehr als "nur" Fair Fashion: Seit kurzem verwende ich den Begriff "Conscious consumption", denn es geht nicht nur darum, fair oder organic (bio) einzukaufen, sondern nachhaltig und bewusst zu konsumieren, hier speziell in Bezug auf Kleidung. Das geht auch mit dem Gedanken eines genügsameren Lebens einher, mit dem Wunsch, mit weniger glücklich zu sein (Stichworte Minimalism, Capsule Wardrobe, usw.).

Ich wollte schon ständig hier über Fair Fashion/Conscious Consumption schreiben, wusste aber  nicht, wo ich eigentlich anfangen sollte. Deswegen möchte ich in diesem Post erstmal zwei Fragen aufgreifen: "Warum Conscious Consumption?" und "Wie geht es mir dabei, bewusst zu konsumieren?".


Warum überhaupt bio, fair, nachhaltig, bewusst, ...?
Hier kann man unterschiedlich ansetzen, vielleicht bei der Frage: Um was geht es? Um mich selbst, um andere Menschen, um die Umwelt? Mir geht es eigentlich um alle drei Punkte. Im Idealfall heißt das:
Ich will keine bzw. so wenig Chemie auf meiner Haut tragen, und die ist nachweislich in herkömmlicher Kleidung drin.
Ich will, dass die NäherInnen und alle anderen ArbeiterInnen fair bezahlt werden und unter menschlichen Bedingungen arbeiten können.
Ich möchte, dass möglichst ressourcenschonend produziert wird. Wenn man sich vor Augen hält wieviel Liter Wasser die Produktion eines Tshirts verbraucht, kann einem schon mal kurz übel werden...
Soviel dazu. Zu all diesen Themen gibt es im www gaaanz viel mehr Information, ich empfehle Greenpeace, Fair Fashion Revolution, usw.

Aber wie gehts mir persönlich damit?
Tja, ich tu mir noch immer schwer bewusst und fair zu konsumieren, vor allem mit meinem Studentbudget. Zudem ist einfach die Verlockung durch die Modegeschäfte da: ich möcht mich auch modisch kleiden, und kann mich da nicht immer gänzlich zurückzuhalten. Zudem, weil Fair Fashion nicht nur eine Geldfrage ist, sondern auch eine Frage der Auswahl:  Manche Sachen gibts einfach kaum in "fair" und "bio".

Andererseits gruselts mir jedesmal wenn ich ein bekanntes Geschäft betrete - der penetrante Geruch, die Masse an Klamotten, die Preise, bei denen man genau weiß, dass das nicht "fair" ablaufen kann (und nein, auch teurer ist nicht gleich fair produziert!)... Da bin ich ganz schnell wieder raus.
Schlecht wird mir auch bei solchen oder ähnlichen Geschichten: Eine Bekannte erzählt, dass ihre Klamotten immer so schnell Löcher bekommen, und sie deswegen froh ist, wenn sie 7-8 Shirts um 50 Euro bekommt, anstatt für eines 25 zu zahlen. Da ist es ihr dann auch egal, wenn sie die nur ca. 6 Mal anzieht. Nein, nein, nein!, hab ich mir gedacht, das darf einfach nicht sein - so eine Einstellung ist die falsche! Klar versteh ich (vor allem das preisliche) Problem, aber unsere Einstellung zu Kleidung und ihres Wertes muss sich ändern! Ein Shirt nur 6x anzuziehen, ist einfach zu wenig, der ökologische Fußabdruck ist eh schon enorm! (Natürlich möcht ich auch nicht mit Löchern in meinen Kleidern rumlaufen.)

Oftmals fehlen mir aber die Alternativen zu Fast Fashion. Ein fairer Bikini ist preislich einfach (noch) nicht drin, genauso wie ich kein faires Kleid für meine Diplomprüfung gefunden hab... Nach und nach zieht aber das eine oder andere faire Teil in meinen Kleiderschrank ein, so letztens ein Sommerrock und ein Kleid (beides von ArmedAngels), die ich hoffentlich ganz lange habe. Ich hoffe, mich in nächster Zeit mehr über Second Hand drüber zu trauen (was ja besonders in die Rubrik "bewusst/nachhaltig" fällt) , um mich auch modisch kleiden zu können, aber trotzdem meinen Anforderungen gerecht werden zu können. Da fehlt es mir oft noch an Überwindung, aber Second Hand kann auch sicher richtig viel hergeben! Man findet ganz tolle Sachen und spart gleichzeitig ein bisschen Geld. Die Schadstoffe aus der Kleidung haben sich hoffentlich zu einem Großteil schon ausgewaschen, und vor allem ist es kein neu produziertes Kleidungsstück, was die Umwelt besonders freut :).

Fair Fashion und bewusstes Konsumieren ist für mich eine Reise. Ich muss nach und nach meine Gewohnheiten umstellen, jedesmal Entscheidungen und Käufe überdenken und bewusst treffen. Zum Teil gelingt es mir schon ganz gut, oft falle ich in alte Traditionen zurück.
Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick zum Thema Conscious Consumption geben! Für Erfahrungen, Tipps und Informationen bin ich jederzeit offen :)


PS: Am 24. April (also in 6 Tagen) ist nicht nur Bundespräsidentenwahl in Österreich, sondern auch FASHION REVOLUTION DAY! Rana Plaza jährt sich zum 3. Mal, und deswegen sollen einige Aktionen darauf aufmerksam machen. Mehr Infos findet ihr unter www.fashionrevolution.org. Join the movement!

PPS: Und nein, nein, nein - H&M ist auch mit seiner Conscious Collection und seinem Textil-Recyceln nicht gut!! Die Conscious Collection ist ein Witz (siehe Nunus Stellungnahme), und Klamotten recyclen zahlt sich in dem Ausmaß nicht aus - außerdem: Kleidung abladen, nur um wieder neue zu kaufen? Nee!!

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