Mittwoch, 9. September 2015

Das Wort zum Sonntag (am Mittwoch): Öffne dich!

Da ich ja Theologie studiere, und es auf meinem Blog auch ab und zu über etwas Theologisches geht (wie der Titel so schön verspricht), möchte ich meine Gedanken zum letzten Sonntagsevangelium mit euch teilen.
Das mag jetzt für alle nicht-religiösen LeserInnen unter euch schrecklich fad und belehrend wirken - für mich persönlich war's aber wieder ein so unglaubliches AHA-Erlebnis, das auf die jetzige Situation so gut passte, dass ich nicht umher kann: ich kann NICHT SCHWEIGEN, ich muss mich (euch) öffnen!


Mk 7, 31-37

"In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus und kam über Sydon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.
Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen:

Effata!
das heißt:
Öffne dich!

Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von den Fesseln befreit und er konnte richtig reden.
Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen."


Schon während dem Zuhören in der Kirche kam mir die aktuelle Asyl- und Flüchtlingspolitik unter (die dann auch der Pfarrer in seiner Predigt erwähnte). 
Nächstenliebe ist eines der großen Themen in der Bibel, und das sollten wir uns Christen auch WIRKLICH zu Herzen nehmen. Im Evangelium geht's drum, sich von Jesus "berühren" zu lassen, sich auf-rühren zu lassen. Sich zu öffen - für die Sorgen der Menschen, der "Nächsten". 
Sich nicht taub und stumm zu stellen, sondern den Mund aufzumachen, und sagen was Sache ist!

Punkt. Oder?!

Naja, das ist jetzt so einfach daher gesagt. Oft fällt uns das viel schwerer als gedacht...
Ich möchte euch aber von einem schönen Beispiel erzählen:

Eine gute Freundin von mir hat sich nicht (so wie ich) gescheut, sondern hat ihren Mund aufgemacht, und auf den politischen Facebookseiten unserer Gemeinde einen öffentlichen Brief an die BürgermeisterkandidatInnen gepostet, in dem sie sich für eine menschliche Asylpolitik in unserem Ort ausspricht. Danke, V.! Du hast meine vollste Bewunderung dafür! 

Ob religiös, christlich, oder auch nicht: Denken wir immer wieder daran, unsere Herzen zu öffnen - aus eigener Kraft, oder von Jesus oder unseren Mitmenschen berührt.
Ich glaub ganz fest daran: So muss Gesellschaft!

 


PS: Ein Off-Topic, aber auch zum Evangelium gehörend: Der Pfarrer sprach auch über die körperliche Berührung - bei Kindern, Jugendlichen, Paaren, etc. - und darüber, dass es älteren Menschen oft schwer falle, sich berühren zu lassen. Fand ich richtig gut! Auch wegen der ständigen Leibfeindlichkeit, die der Kirche vorgeworfen wird...

 

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