Donnerstag, 18. Juni 2015

sich dumm fühlen [Gedanken einer Studentin]


Dieser Post geht einher mit dem Stress, der jetzt auf so viele StudentInnen von uns zukommt (oder schon länger da ist, oder sich sowieso seit Anfang des Semesters durchzieht?!).

Das nagt auch irgendwie gerade am Blog, wie ich merke. Ich habe zur Zeit wenig Lust, mit Worten zu jonglieren, mich herzusetzen und mir Texte zu überlegen. Gestern hab ich dann aus lauter Frust eine Postidee gelöscht, weil ich dachte: "Interessiert eh keine(n)".

Neben dem Stress gibt es da aber etwas Anderes, das manchmal an mir nagt: dieses Gefühl, auch kurz vor dem Studienabschluss eine Anfängerin zu sein, eigentlich von Nichts eine Ahnung zu haben.
Das kommt vor allem in Vorlesungen und anderen Lehrveranstaltungen auf, wenn die Profs von irgendwas daherschwafeln, wovon ich absolut keine Ahnung zu haben schein. Zudem werfen sie mit Namen und Büchern um sich, die man nicht schon alle lesen hätte sollen, oder wir (als AnglistInnen, TheologInnen, "Studierte" halt) auf unsere Leseliste setzen sollten.

Das fällt mir vor allem extrem auf der Theologie auf. Angefangen bei den Philosophen und Kirchenvätern, über die ganzen Konzilstexte bis hin zu TheologInnen der Neuzeit (die mich schon eher interessieren). Ganz zu schweigen von anderer Literatur, die ebenfalls relevant wär, wie Romane von Elie Wiesel, Jean Amery, Hartmut Lange.
Und die Bibel, die haben wir TheologInnen ja eh schon mindestens 5 Mal von hinten bis vorne durchgelesen (Zeit, beschämt auf den Boden zu blicken, und sich ganz fest vorzunehmen, endlich einmal damit zu beginnen)!
Griechisch, Hebräisch und Latein – ein Klacks, und den Katechismus kann ich natürlich auch auswendig!
Blöd aber auch, dass mein Studium auf eine weitreichende Literatur blicken kann, von der die ersten Werke schon vor über 2000 Jahren entstanden!

In manchen Situationen fühl ich mich dann so richtig klein und dumm. Unwissend und unbelesen. Manchmal bewundere ich Leute, die so Sachen lernen, und sie sich dann auch über lange Zeit hinweg merken.
Aber ich muss mich damit abfinden: Aus mir wird mal keine hochstudierte Professorin, die jeden Namen, jede Zahl, jede Theorie usw. auswendig weiß! Und das find ich persönlich auch ganz ok. Nicht jede(r) kann alles wissen; wichtiger ist für mich, dass ich mich interessiere, mich weiterbilde, für Sachen begeistere und Neues entdecken will. Diese Einstellung möchte ich mir auch als Lehrerin beibehalten. Für mich, und für meine SchülerInnen.


Somit könnt ich schon mit mir zufrieden sein, wären da nur nicht immer diese vorwurfsvollen Blicke des Professors, und dieses kleine, stichelnde Gefühl in mir drin, das mir zu verstehen gibt: das hättest du jetzt aber schon wissen müssen!

Kommentare:

  1. Du bist nicht klein und dumm, das weißt du zwar selbst auch, aber ich sag's dir noch mal. Außerdem: man muss nicht immer alles wissen. Wichtig ist, dass man weiß, wo man nachschlagen kann und zumindest von Dingen gehört hat und nicht mit verschlossenen Ohren und Augen durch die Welt läuft. Wenn Professor/innen (oder Vortragende im Allgemeinen) viele Zahlen, Namen, Theorien usw. wissen, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass es zu einem ihrer Forschungsschwerpunkt gehört - darin is es auch wichtig Namen, Zahlen, Fakten etc. zu kennen - aber auch daran, dass sie sich vermutlich schon längere Zeit mit der Materie befassen. Aber es wird nicht von dir verlangt, dich mit Allem 100% auszukennen, das ist wohl eher ein utopischer Anspruch. Man läuft jedoch von Zeit zu Zeit Menschen über den Weg, die scheinbar jedes Buch, das sie je gelesen haben, jede Vorlesung, in der sie je gesessen sind, in sich aufgesogen haben und nichts vergessen. Aber das passiert wahrscheinlich nur selten. Die meisten haben ja doch "nur" den einen oder anderen Schwerpunkt, mit dem sie sich super auskennen und Anderes weiß/kennt man eben oder auch mal nicht. Also in dem Sinn - lass dir nicht einreden "das hättest du jetzt aber schon wissen müssen!", auch nicht durch strenge Blicke. Du wirst noch viel lernen und hast auch noch genug Zeit dafür.

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    1. Danke - alles wahr was du schreibst! :)
      Hab natürlich ziemlich dick aufgetragen. Das Gefühl kommt dennoch immer wieder vor. Aber zum Großteil leb ich eh gut damit, nicht alles zu wissen ;-)

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